Marlies Kalbhenn

Wer’s glaubt, wird selig
Schubladengeschichtchen
2. veränderte Auflage

 
Marlies Kalbhenn Verlag

ISBN 978-3-9814018-0-6

5,00 €



Das Schubladen-, Handtaschen- oder Nachttisch-Buch enthält Geschichtchen von
liebenswerten Sonderlingen und sonderlichen Lieblingen.

Geschichtchen von kleinen und großen Träumen,
komischen, manchmal auch tragikomischen Begebenheiten.

***

„Ein besonderer, literarischer Leckerbissen waren
die Kostproben aus den ‚Schubladengeschichtchen‘.

Die professionelle Erzähltechnik der Autorin erinnert nicht nur von Ferne,
sondern vom Format her an Ephraim Kishon.“

(Dr. Susanne von Garrel, Neue Westfälische)


Text

Frankfurter Kranz
gekürzt


Ob Donauwellen, Gugelhupf, Matte- oder Riwwelkuchen, ob Ostfriesentorte, Sacher oder Schwarzwälder Kirsch: Max mag sie alle. Fragt man ihn jedoch nach seiner Lieblingssorte, antwortet er ohne zu zögern: Frankfurter Kranz.
Viele Jahre weigerte ich mich, die Kalorienbombe selbst herzustellen, Aber Weihnachten schenkte mir eine Freundin die entsprechende Backform und so nahm ich die Herausforderung an und fabrizierte zu Max’ letztem Geburtstag den ersten Frankfurter Kranz meines Lebens. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Der Kranz, mein Frankfurter Kranz glich, wenn auch nicht aufs Haar, den makellosen Exemplaren aus der ersten Bäckerei am Platze. Ich stellte ihn auf den Balkon. Morgen früh würde er den Geburtstagstisch zieren. Max würde Augen machen!
Die machte er auch und am liebsten hätte er sofort hineingebissen. Da ich aber mein Meisterstück in seiner ganzen prallen Schönheit den Geburtstagsgästen präsentieren wollte, blieb der Kranz unangetastet krönender Mittelpunkt des Geburtstagstisches.
Um zehn brachte ein Bote aus der ersten Bäckerei am Platze ein Geschenk, das die Frankfurter Verwandtschaft in Auftrag gegeben hatte. Max entließ den jungen Mann mit einem großzügigen Trinkgeld und packte einen Frankfurter Kranz aus. ich stellte ihn in den Kühlschrank; denn ich wollte mein Meisterwerk, das mir plötzlich nur noch wie ein Gesellenstück, schlimmer; wie eine Lehrlingsarbeit vorkam, nicht dem Vergleich aussetzen.
Punkt elf kamen die beiden betagten Nachbarinnen und überreichten Max ihr Geschenk: eine große Schachtel, die mir bekannt vorkam.
„Süßes für den süßen Jungen“, kicherten sie errötend, als seien sie soeben, quasi durch die Tür, in die Pubertät gekommen.
Während der süße Junge ihnen aus den Mänteln half, eilte ich ins Wohnzimmer, nahm das Gesellenstück vom Geburtstagstisch und versteckte es unter dem Sofa. Den nunmehr dritten Frankfurter Kranz stellte ich auf die bereits gedeckte und geschmückte Kaffeetafel, zur Freude der Nachbarinnen.
Der erste Gast am Nachmittag war Gundi, die rheinische Frohnatur. Diesmal ist mir nichts anderes eingefallen, trompetete sie schon im Treppenhaus und präsentierte stolz einen unverpackten, auf einem Glasteller thronenden Frankfurter Kranz.
Nach einer in gemeinsamen Jahrzehnten erprobten wortlosen Verständigung mit dem auf seine Art einmaligen Ehemann, wiederholten wir, was sich am Vormittag bewährt hatte. Während Max Gundi im Flur im Zeitlupentempo aus der Jacke half, riss ich im Wohnzimmer in Windeseile den Kranz der Nachbarinnen vom Kaffeetisch und beförderte ihn unter das Sofa, wo er meiner eigenen Lehrlingsarbeit Gesellschaft leisten konnte, Dann stellte ich Gundis perfektes Exemplar samt Glasteller auf den frei gewordenen Platz.
„Siehst du, sagte ich, als sie mit Max ins Wohnzimmer kam, „dein Frankfurter Kranz kommt gerade recht.“
Frankfurter Kränze fünf, sechs und sieben brachten Müllers, Neumanns und Walters mit.
„Wir hatten gedacht …“
„Weil Max doch so gern …“
„Nicht, dass ihr meint, wir hätten ...“
Der Geburtstag nahm seinen Lauf. Müllers, Neumanns und Walters aßen wenig, da sie auf ihre Linie achten mussten oder wollten. Sie griffen zu den leichten Sachen, bevorzugten die Joghurtschnitten, den Obstboden, die Quarktorte. Gundi knabberte ihre Diabetikerkekse. Frankfurter Kranz aßen nur Max und ich.
Plötzlich hasste ich sie alle: die Gäste samt ihren einfallslosen Gaben, den auf seine Art einmaligen Ehemann, der den zweifelhaften Ruf eines potenten Tortenvertilgers sichtlich genoss, mich selbst für mein eigenes Miststück von Frankfurter Kranz, uns alle für die Farce, die wir miteinander spielten ...

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