Herbert Höner


Hol über, es ist Zeit
Ein Trauer- und Trostbuch

Marlies Kalbhenn Verlag
ISBN 978-3-9814018-6-8
 
9,95 €



Herbert Höners Trauerbriefe und Trauerreden sind Zeugnisse seines persönlichen Umgangs mit Sterben und Tod. Im Kapitel „Mömmkes Tod erzählt er, wie er als Kind den Tod seiner Großmutter erlebt hat. Ansprachen in Leningrad (St. Petersburg) und Jerusalem sind bewegende „Zugaben“. Und die von ihm und seiner Tochter ausgewählten Gedichte – von Matthias Claudius, Theodor Fontane, Rainer Maria Rilke und anderen – sind vielstimmige Ergänzungen und Variationen des Themas Tod.

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„Herbert Höner verwendet keine billigen „Weisheiten“ oder vordergründige „gute Worte“; er vertraut auch nicht auf die Zeit, die angeblich alle Wunden heilt, sondern er praktiziert einen lebensnahen Umgang mit dem Fakt des Sterbenmüssens und ermutigt jeden Trauernden, den Schmerz des Verlustes zuzulassen. Seine immer sehr persönlichen Briefe zeigen: Der Mensch ist in seiner Konfrontation mit Sterben und Tod nicht allein gelassen.“(Ralf Kapries, Neue Westfälische)


Texte

Vorwort

Meinen Wagen parke ich nicht weit vom Eingang des Clemenshospitals. Ich bin seit einer Woche Pastor der Evangelischen Trinitatisgemeinde im Bezirk Münster-Mecklenbeck. Zu meinen Aufgaben gehört die Seelsorge in vier Stationen dieser großen Klinik, mit der ich heute beginnen will. Natürlich trage ich einen dunklen Anzug, darunter ein schwarzes Kolar. So bin ich als Pastor zu erkennen.
Schon auf der Herfahrt kreisten meine Gedanken um die Frage: Was erwartet mich? Und wie gehe ich damit um, wenn ein Patient Krebs hat oder gar schon im Sterben liegt? Die Gedanken verdichten sich zur Angst. Schweiß läuft mir von der Stirn … Vor der Tür zur Eingangshalle drehe ich mich um, „fliehe“ zu meinem Auto und – fahre nach Hause.
Meine Frau Charlotte fragt erstaunt, warum ich schon zurück sei: „Nach nicht einmal einer halben Stunde?“
Nachdem ich ihr meine Angst gebeichtet habe, sagt sie: „Aber es ist doch deine Pflicht!“ Womit sie ja recht hat. Sie selbst ist immer sehr pflichtbewusst und verlässlich.
„Morgen gehe ich bestimmt hin“, versprach ich ihr. Und so geschah es.
Es begann für mich eine Zeit der Krankenhausseelsorge, die mich vor allem durch die Zusammenarbeit mit den katholischen Clemensschwestern und deren Oberin in vielerlei Hinsicht bereichert hat – weit über die Zeit an dieser Klinik hinaus. An den selbstlosen und aufopfernden Dienst dieser immer hilfsbereiten und fröhlichen Frauen, die an den Betten ihrer sterbenden Patienten nächtelang wachten, ohne auf die Uhr zu schauen, soll deshalb am Anfang erinnert werden.
Aber – warum erzähle ich das? Meine Tochter Marlies Kalbhenn, die auch meine Verlegerin ist, und ich möchten mit diesem „Eingangswort“ deutlich machen, dass Sterben und Tod nicht studiert werden können, so wichtig wissenschaftliche Resultate auch sind. Sterben und Tod werden erfahren in der Begegnung mit Sterbenden.
Meine Erfahrungen gingen auch neben und nach der Zeit im Clemenshospital weiter. Als Gemeindepastor in Münster hatte ich Sterbende in ihren Wohnungen zu begleiten und bei Begräbnissen zu predigen. Und als ich Synodal-Jugendpfarrer im Kirchenkreis Bielefeld war, wurde ich immer wieder einmal gebeten, „vertretungsweise“ Beerdigungen zu übernehmen.
Die Briefe an die Hinterbliebenen von Freunden und Verwandten, die Reden bei Totenfeiern und Trauermahlen, alle in meinem Ruhestand geschrieben und gehalten, sind Zeugnisse meines persönlichen Umgangs mit Sterben und Tod, Trauer und Trost. Marlies Kalbhenn hat dazu lyrische Texte aus vierhundert Jahren deutscher Dichtung ausgewählt, deren Verfassernamen für sich sprechen. Der Titel ihres Gedichtes „Hol über, es ist Zeit“, haben wir als Buchtitel gewählt; denn von den Bildern, die Menschen sich vom Tod gemacht haben, fasziniert uns das des Fährmanns, der die Toten über den Fluss ans Jenseitsufer bringt, besonders. Zwei Predigten, die ich in Jerusalem am Karfreitag zur Sterbestunde Jesu in der Erlöserkirche und am Ostersonntag am Gartengrab gehalten habe, bilden den Schlussakkord.
Zu danken habe ich meiner Familie, die mir Mut zu diesem Buch machte und mir bei der Verwirklichung half, unserer Freundin Christiane Tietjen aus Bremen für die Einbandillustration und unserem Freund Clark Seha aus Bielefeld für die Abdruckerlaubnis seiner Ansprache, die er anlässlich der Beerdigung unseres Sohnes und Bruders Andreas Höner gehalten hat.


Hol über, es ist Zeit

Gepflanzt hab ich den letzten Baum,
gekommen ist die Zeit!
Der Fährmann rief mir zu im Traum:
Mein Freund, halt dich bereit!

Ich kenne ihn, des Name Tod,
ich kenne Boot und Fluss.
Allein auf seines HERRN Gebot,
ganz ohne Obolus,

bringt er, wenn sie gestorben sind,
ans jenseitige Ufer,
mit Brot und Wein Mann, Frau und Kind.
Drum sagte ich dem Rufer:

Ein letzter Traum, ein Baum, ein Kuss –
hol über, es ist Zeit!
Geleit mich über Gottes Fluss,
mein Freund, ich bin bereit!

Marlies Kalbhenn


Anstieg

Dort, am Gipfelkreuz im Himmel
wird die Welt für uns ganz
anders sein.
Unsere Schritte werden leichter,
schneller,
unsere Augen ordnen alle Dinge
anders ein.

Unten scheint noch alles mühsam,
schwer erreichbar
türmen sich die Felsen,
thronen, locken, drohen …
Hüter neuer Einsicht geben
neue Blicke auf verborgne Schönheit
zögerlich, fast widerwillig frei.

Doch wir mühen uns
die Grenze zu verschieben,
bis wir endlich rufen können,
dass das Ziel errungen sei.

Angelika Kreft
aus: „Herbstzeitreife“, Näheres siehe dort!

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